Die Tanzübung des Tages

Aktualisiert: 26. März
The Lemon Club begibt sich mit dem Song "Wake Up!" in den Tanzclub. Hier eine praktische Anleitung, damit ihr zum Song tanzen könnt. Extra für euch, live aus dem Streaming-Studio, die Tanzübung des Tages. Im Anschluss findet sich eine lyrische Einordnung des Liedes.
>>Heute, liebe Leute, begrüßen wir die kolumbianische Tanzprofessorin Isabel, die uns, wie jeden neuen Tag zum Tanzen motiviert und anregt, den Tag positiv zu begehen. Übervorgestern lautete die Übung "Schnallt den Gürtel enger, dann hält das Schnitzel länger" und heute zeigt uns die Professorin Isabel, dass Hüften nicht lügen können. Und los geht's: Und links. Und rechts. Und rinks. Und lechts. Check it out. Hips don't lie. So, und jetzt kurz über den nächsten Bildungsurlaub nachdenken und dabei alles ausschütteln, und schüttel und schüttel und schüttel und aufwachen, meine Damen, meine Herren, Wake Up! Hier kommt gleich die nächste Tanzbewegung, wie wir sie auch von Shakira kennen, The Spanking Human Spank-ipede, aber mit ganz viel girlpower mit awareness-Arbeit, bitte schön, ihr habt das Recht Nein zu sagen, aber auch Ja zu sagen. "You have a right to say no, / If it’s that what you need, / And if you wanna say yes, / Don’t be afraid of the heat!" Lenkt eure Aufmerksamkeit auf die Bedeutsamkeit und legt noch mehr Passion in euer Tanzmanifest, und hü und hott, und hü und flott, und jetzt aufgepasst, abschnallen und Geist los lassen! "Shake your hips like Shakira and your body like a queen / Wave your hands, greet the day, feel the rhythm sink in". Ja, genau so und nicht anders. Tanzt die Shakira, tanzt den Waka Waka-Tanz, und jetzt noch eine Vertikale Achter Figur, aber aufgepasst, denn diese Bewegung erfordert eine starke Rumpfmuskulatur und große Kontrolle über die Hüft- und Beckenmuskulatur, und achtet auch darauf, niemals den Himmel aus den Augen zu verlieren, "and there’s the sky, it’s feeling so blue, / and then there’s you, what are you gonna do?" Und jetzt wieder ein bisschen Geist und Körper ausschütteln, mit den Armen schlenkern, mit den Hüften kreisen, jetzt etwas schneller und noch schneller, dabei nicht vergessen die Hüfte immer isoliert kreisen zu lassen. Macht es wie Shakira sie kann einzelne Körperteile unabhängig voneinander bewegen, den Brustkorb, Bauch und Hüften. So, und jetzt machen wir das auch, und los geht es! "Now wake up! / Wake up dancing! / Wake up! / Wake up dancing!" Achtet auf eure fließenden Bewegungen, auf eure Hüft-Shimmies und auf die wellenartige Bewegung des Oberkörpers! Und hip und hop und hip und hop und noch einmal von vorne: "Shake your hips like Shakira and your body like a queen / Wave your hands, greet the day, feel the rhythm sink in". Gut so, und jetzt wieder aufwachen, Beine befreien, aber nicht das Hirn entleeren, und immer dran denken, ihr seid Teil einer Berufsgruppe, die besondere Leistungen erbringt, aber potentiell nicht immer entsprechend bedacht werdet. "So there’s the firemen saving a child, / and there’s a doctor whose hours are wild, / and there’s the teacher making it work, / and there’s a dancer shaky-shake twerk". Jetzt wird es schön langsam Zeit für eure emotionale Diversität, damit ihr wieder in eure Körpermitte findet. Ui jegerl, wir sind leider schon am Ende des Liedes angelangt, schade. Na ja, das nächste Mal zeigt uns Isabel den Bhangra 101 von Shakira, bis dahin seid gegrüßt, und nicht vergessen: "Shake your hips like Shakira and your body like a queen / Wave your hands, greet the day, feel the rhythm sink in".<<
Der Tanz der Intertextualität
Bei all seiner Flapsigkeit und Intention als Tanzmusik zu funktionieren, liefert "Wake Up!" von The Lemon Club darüber hinaus auch Spurenelemente in die Popkultur einerseits und in die Songwriting-Kultur von Simon Matthias Maurer andererseits. "Wake Up!" knüpft an die Pilates-, Supercycle- und Fitness-Kultur der 2010er Jahre an und könnte auch der Beginn eines Girlpower-Films sein, der Tagebuch-artig aus der Sicht einer starken Frau beginnt. Es könnte aber ebenso der Klingelton eines Millenial sein. Im Text "spielt" sich der Song zudem mit Queerheit (body like a queen / body like a king) und bietet außerdem Einblicke in die Lyrik des Songwriters. Im speziellen liefert der Text von "Wake Up!" eine Querverbindung zum Gedicht "Unfertig", das im Trapez Sammelband “Feuer Flamme Staub” 2025 veröffentlicht wurde und hier, im Lied, ironisiert wird, um es auf den Dancefloor bringen zu können. Im Gedicht ist das Thema "Tanzen" zentral: "ich hebe meine linke schulter, / eins, zwei, drei, und go, / ich spüre den beat, / ich spüre die wärme der musik, / bin ich in die clubszene gewechselt, / habe ich tag gegen nacht getauscht, / und klarheit gegen rausch, / habe ich mich verloren und verliebt in das verlorensein,..." Des Erzählers Dichterfreundinnen sitzen derweilen leise in einer Ecke und schreiben, so wie die Ich-Person ebenfalls schreibt, "aber tanzend, (ich tanze gegen den tod an,)". Die Verbindung zu "Wake Up!" ist klar: die Aufforderung zu tanzen, den Rhythmus in den Körper sinken zu lassen widersteht mit der Bewegung dem Tod. Eine weitere Komponente des Songs bildet den generellen Anspruch von Simon, das Album "The Times We Live In" als ganzes nicht zu ernst zu gestalten. Neben dem Spaß am Songwriting selbst experimentiert er daher mit verschiedenen Ecken aus dem Pop. "Dennoch ist", wie er sagt, "der Anspruch immer ein poetischer und ein Song ist nie nur als abgeschlossen in sich zu betrachten, sondern auch als ein Teil eines Ganzen." Schließlich gibt es noch eine weitere Idee, die sich aus seiner eigenen Art Musik von anderen zu hören widerspiegelt. Simon: "Dass Wake Up! vor Me, Myself, A.I. ist, finde ich persönlich sehr witzig, da es zwei sehr unterschiedliche Musikrichtungen und Gefühle vermittelt. Aber das ist auch genau, wie ich persönlich Musik höre: Ich höre Skinny Love von Bon Iver, und dann Shiver von Ed Sheeran, danach Techno Pop von Kraftwerk, um daraufhin bei Total Eclipse von Klaus Nomi zu landen, um von da wieder in den Folk mit Girl from the North Country von Bob Dylan zurückzukehren. Das Album ist so aufgebaut, wie ich Musik intuitiv hören würde.”


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